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Stellungnahme des Bürgermeisters zum Ersatzbau der Turnhalle Völlenerfehn

Ein Bericht in der heutigen Presse über den Ersatzbau der Turnhalle Völlenerfehn vermittelt den Eindruck, dass die Gemeinde Westoverledingen willkürlich entschieden hat, die jetzige Turnhalle abzureißen und einen Ersatzbau zu schaffen. Dem ist natürlich nicht so, wie den folgenden Ausführungen entnommen werden können:

Ein Abbruch und ein Neubau wie die Turnhalle Völlenerfehn ist keine Spontanaktion einer Gemeinde sondern eine Entscheidung, der eine umfangreiche Analyse vorausging. Gemäß § 110 Abs. 2 NKomVG ist die Haushaltswirtschaft sparsam und wirtschaftlich zu führen. Bevor Investitionen von erheblicher finanzieller Bedeutung oberhalb einer von der Kommune festgelegten Wertgrenze beschlossen werden, soll durch einen Wirtschaftlichkeitsvergleich unter mehreren in Betracht kommenden Möglichkeiten die für die Kommune wirtschaftlichste Lösung ermittelt werden (§ 12 Abs. 1 KomHKVO). Diese Vorgabe hat die Gemeinde durch eine Wirtschaftlichkeitsberechnung eingehalten.

 

Dabei wurde die Varianten a) Fortführungsfall (0-Variante), b) Eigenrealisierung einer Sanierung (Variante 1) und Eigenrealisierung eines Ersatzbaus (Variante 2). Diese Varianten wurden monetär und nicht-monetär untersucht und gegeneinander abgewogen.

 

Die 0-Variante ließ sich grundsätzlich ausschließen, als dass sie nicht zu verantworten wäre. Eine bloße Fortführung der Situation würde nicht nur zu erheblicher energetischer Ineffizienz, sondern alleine schon aufgrund umfangreicher Sicherheitsmängel zur endgültigen Schließung der Turnhalle führen. Insbesondere wäre eine Barrierefreiheit, auch im Sanitärtrakt, weiterhin nicht gewährleistet.

 

Die Eigenrealisierung einer Sanierung (Variante 1) beinhaltete so umfassende Erhaltungsmaßnahmen, dass sie in ihrem Ausmaß den Baumaßnahmen im Rahmen eines Ersatzbaus nahezu gleich gekommen wäre.

 

Eine andere Alternative stellt die Eigenrealisierung eines Ersatzbaus am selben Standort dar (Variante 2). Ein Neubau des Sanitärtraktes kann beim Ersatzbau der Halle weitgehend entfallen, da bereits angrenzende Räume der Grundschule vorhanden sind und genutzt werden können. Das gesamte Bauwerk einschließlich des Sanitärbereiches soll barrierefrei gestaltet werden. Die Halle soll mittels einer Fußbodenheizung erwärmt werden, was die Steuerung der Heizung, Beheizung der Halle sowie die Reinigung der Räume vereinfachen wird. 

 

Bei der monetären Wirtschaftlichkeitsberechnung wurde ein einheitlicher Betrachtungszeitraum von 34 Jahren zugrunde gelegt. Dieser orientierte sich wesentlich an der bis dahin verbliebenen Restnutzungsdauer der abgängigen Halle. Die umfangreichen Berechnungen haben ergeben, dass nach Abzug der Aufwendungen von den Buchwerten sich die folgenden saldierten Ressourcenverbräuche ergeben:

 

0-Variante:            761.089 €

Variante 1:         2.099.027 €

Variante 2:           860.130 €

Es handelt sich um den jeweiligen Buchwert am Ende der jeweiligen Betrachtungsperiode abzüglich der kumulierten Aufwendungen.

Bedingt durch die Langlebigkeit in Form einer erhöhten Restnutzungsdauer eines Ersatzbaus, in Kombination mit niedrigeren Kosten ist eine relative Vorteilhaftigkeit der Variante 2 gegeben. Die Sanierung entfernt sich über die Gesamtdauer immer weiter von dem Ersatzbau. Am Ende der Betrachtung liegt bereits ein Unterschiedsbetrag von 1.238.897,00 Euro vor. 

 

Im Rahmen einer nichtmonetären Nutzwertanalyse erreicht die Variante 2 eine um 182 Punkte höhere Gesamtpunktzahl. Sie setzt damit auch die nicht-monetären Aspekte besser um als die Variante 1. Im Ergebnis muss weiterhin festgehalten werden, dass der Neubau den Klimaschutz in der Gemeinde fördert.

 

Die Wirtschaftlichkeitsberechnung musste beim Antrag auf Gewährung einer Zuwendung dem Niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport mit eingereicht werden. Dort hat es keine Beanstandung der Berechnung gegeben, so dass der Höchstförderbetrag von 400.000 € bewilligt worden ist.

 

Abschließend möchte ich zu den Aussagen der Schulelternratsvorsitzenden, des zweiten Vorsitzenden des Sportvereins und des Schulleiters noch kurz Stellung nehmen:

 

Die Schulelternratsvorsitzende verkennt, dass eine Sanierung der Turnhalle ebenfalls erhebliche Bauarbeiten bedingen würden, die auch mit Lärm verbunden wären.

Es ist nachvollziehbar, dass die Mitglieder des Sportvereins ungerne übergangsweise auf die Halle verzichten. Diese Situation hat es aber bereits beim Neubau der Turnhalle in Steenfelde und bei Baumaßnahmen an den Turnhallen in Flachsmeer und Ihrhove gegeben. Hier konnten auch immer Lösungen mit Unterstützung der Verwaltung und der anderen Sportvereine gefunden werden.

 

Der Schulleiter hat aus verständlichen Gründen nur seine Schule im Blick. Rat und Verwaltung der Gemeinde Westoverledingen tragen aber Verantwortung für eine positive Entwicklung aller Ortschaften. Zu unserer Verantwortung gehört auch, die finanzielle Situation der Gemeinde dauerhaft positiv zu gestalten. Große Baumaßnahmen können nicht nur aus dem Gemeindeetat finanziert werden. Hier ist es vordringliche Aufgabe Drittmittel einzuwerben. Dieses ist glücklicherweise auch für die Schule Völlenerfehn gelungen. Die eingesparten Eigenmittel können dann wieder für weitere notwendige Investitionen genutzt werden. Nur so lässt sich die Gemeinde Westoverledingen positiv weiterentwickeln.

 

Theo Douwes

Bürgermeister