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Ausstellung "Jüdische Künstler unter Druck"

Noch bis zum 02. März 2018 können Bürgerinnen und Bürger im Rathaus die Ausstellung „Jüdische Künstler unter Druck – Grafiken aus dem frühen 20. Jahrhundert“ ansehen. Gezeigt werden rund 50 Druckgrafiken jüdischer Künstler aus dem frühen 20. Jahrhundert, darunter Werke von Max Liebermann.

Die Eröffnung der Ausstellung im Rathaus, die am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus stattfand, war gut besucht. Gitta Connemann, Vizepräsidentin der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, erzählte in ihrer eindringlichen Rede von vielen Begebenheiten des Hasses und der verbalen Gewalt, die ihr in ihrer Arbeit begegneten. Sie mahnte davor, die Augen zu verschließen. Ein gesellschaftliches Klima der Ausgrenzung und des Hasses habe es in Deutschland schon einmal gegeben. Deshalb sei die Erinnerung daran nicht nur für die Zukunft sondern auch für die Gegenwart unendlich wichtig.

Mit der Veranstaltungsreihe will die Gemeinde Westoverledingen die Erinnerung an die Geschichte wach halten und durch den Austausch dazu beitragen, dass Lehren aus der Vergangenheit gezogen werden können. „Dahinter steht die Überzeugung, dass wir unsere Freiheit und unsere demokratische Grundordnung nur schätzen und verteidigen können, wenn wir uns vor Augen führen, wohin Unfreiheit und Unterdrückung uns als Gesellschaft in der Vergangenheit gebracht haben“, erläutert Pressesprecherin Nina Lenger, die die Ausstellung geplant hat. Die Rückbesinnung biete viele Chancen, die Gegenwart und die Zukunft zu gestalten im Sinne eines friedlichen und freiheitlichen Miteinanders. 

Im Rathaus zu sehen waren knapp 50 Druckgrafiken jüdischer Künstlerinnen und Künstler des frühes 20. Jahrhunderts. Viele davon sind heute nahezu unbekannt, weil sie von den Nazis im Dritten Reich verboten und verfolgt wurden. Die ausgestellten Werke stammen aus der Sammlung des Esenser Künstlers Gerd Rokahr. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, jüdische Kunst dem Vergessen zu entreißen. Die Lebensgeschichten der Künstler zeugen von der Unterdrückung und der Notwendigkeit zu überleben. Es sind Geschichten von Assimilation, religiöser Konvertierung oder dem Versuch die jüdische Herkunft zu tarnen.

„Die Kunst schafft es, einen anderen Zugang zur Geschichte zu bieten“, betont Bürgermeister Theo Douwes. Deshalb habe er das Angebot gern ergriffen, die hochkarätigen Bilder im Rathaus zu zeigen. Seine Leidenschaft für historische Fotos und Geschichten ist vielen bekannt. Dazu passt die Veranstaltungsreihe „Zukunft braucht Erinnerung. „Es sind gerade die lokalen und regionalen geschichtlichen Wurzeln, die Menschen einen nachvollziehbaren und dauerhaften Bezug zur Geschichte ermöglichen“, ist der Bürgermeister überzeugt. Deshalb nahm er im Jahr 2017 den Wunsch aus der Politik auf, an das Schicksal der ehemaligen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger zu erinnern. Mit der Hilfe des Heimatforschers Hermann Adams und seinem Buch „Geboren in Ihrhove-Westoverledingen – Umgekommen im Holocaust“ konnte das Schicksal der ehemaligen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger sichtbar gemacht hat. Die Vorstellung dieses Buches in Zusammenarbeit mit dem Schulzentrum Collhusen bildete den Startpunkt in der Reihe „Zukunft braucht Erinnerung“. In 2018 wird die Idee weiterverfolgt werden, diesen ehemaligen jüdischen Bürgerinnen und Bürgern von Ihrhove ein dauerhaftes Denkmal zu setzen.

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